Erkenntnisse aus der Shell-Jugendstudie „Jugend 2019“

von Michael Bentele (Bundesvorsitzender)

Foto von Fox von Pexels

Im Oktober 2019 wurde die 18. Shell-Jugendstudie* veröffentlicht. Seit 1953 werden Jugendliche befragt, analysiert und die Befragungen wissenschaftlich ausgewertet, auf welche Weise Jugendliche in Deutschland ihren Alltag mit all seinen Herausforderungen bewältigen und welche Verhaltensweisen und Mentalitäten sie dabei herausbilden. Bei der Studie wurden Jugendliche zwischen zwölf und 25 Jahren von geschulten Interviewern befragt. 2.572 Jugendliche nahmen an der Studie teil.

Die Ergebnisse der 18. Jugendstudie zeigen, dass trotz der klar erkennbaren sozialen Unterschiede, die sich aus der Herkunft der Jugendlichen ergeben und die durch den auch weiterhin ungleichen Bildungserfolg bestehen bleiben, keine unüberbrückbaren Polarisierungen oder Spaltungen in den Einstellungen zu beobachten sind. Auch die Unterschiede zwischen Ost und West, zwischen männlichen und weiblichen Jugendlichen sowie zwischen Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund werden eher kleiner als größer. Quer durch alle Gruppierungen findet sich eine Reihe von Gemeinsamkeiten, darunter die zunehmende Sorge um die ökologische Zukunft, ein Trend zu gegenseitigem Respekt und einer Achtsamkeit in der eigenen Lebensführung, ein starker Sinn für Gerechtigkeit sowie wachsender Drang, sich für diese Belange aktiv einzubringen.

Das politische Interesse von Jugendlichen hat sich im Jahr 2019 weiter stabilisiert. Als stark interessiert bezeichnen sich 8 % der Jugendlichen, und weitere 33 % sehen sich als interessiert. Damit ist das Interesse im Vergleich zu 2015 zwar leicht rückläufig (41 % im Vergleich zu 43 %, aber im längerfristigen zeitlichen Verlauf betrachtet liegt es deutlich über den Ergebnissen der Jahre 2002, 2006 und 2010.

Die Mehrheit der Jugendlichen informiert sich zu politischen Themen inzwischen online. Am häufigsten werden hierbei Nachrichten-Websites oder News-Portale genutzt (20 %).

Waren es bis 2010 noch die wirtschaftliche Lage und steigende Armut sowie Angst vor Arbeitslosigkeit oder keinen Ausbildungsplatz zu finden, die von Jugendlichen schwerpunktmäßig als Probleme genannt wurden, so hat sich das Bild seitdem deutlich verändert. Aktuell benennen fast drei von vier Jugendlichen die Umweltverschmutzung als das Hauptproblem, das ihnen Angst macht, gefolgt von der Angst vor Terroranschlägen (66 % )

Tugendhaftigkeit und Tüchtigkeit sind nahezu bei allen Jugendlichen positiv besetzt – und zwar in allen sozialen Schichten. Respekt vor Gesetz und Ordnung oder Fleiß und Ehrgeiz gehören für alle jungen Menschen zu den wichtigen Leitbildern.

Die schichtübergreifend hohe Leistungsethik ist vor dem Hintergrund, dass sich Jugendliche aus der untersten Herkunftsschicht als stärker benachteiligt empfinden, bemerkenswert. Immerhin fast zwei von drei dieser weniger privilegierten Jugendlichen geben an, häufiger Erfahrungen zu machen, dass andere über sie bestimmen, während dies nur von knapp jedem Zweiten der Mittelschicht und bei Altersgenossen aus der obersten Herkunftsschicht sogar nur von jedem Dritten berichtet wird. Unterschiede gibt es ebenfalls bei der Wahrnehmung, dass Andere bevorzugt werden.

Typologie der Internetnutzer

In der Studie werden verschiedene Kategorien herausgearbeitet, wie die Jugendlichen das Internet nutzen: Die Durchschnittszeit lag bei 3,7 Stunden/Tag. Unterhaltungs-Konsumenten 33 %, ca. 4 Stunden länger als der Durchschnitt, Funktionsnutzer 24 %, 2,9 Std. weniger als der Durchschnitt, Intensiv-Allrounder 19 %, 4,3 Std./täglich,  Zurückhaltende 12 %, 2,7 Std./täglich, Uploader 12 %. 4,3 Std./täglich.

Zusammenfassung: Die unterschiedlichen Interessen der Jugendlichen werden in der Studie alters-, geschlechtsspezifisch und je nach Bildungsstand aufgezeigt. Um junge Menschen zu erreichen, ist das Internet heute die wichtigste Plattform. Politische Themen stehen ebenfalls im Interesse der Jugendlichen, so wie die eigene Zukunft und ein sicheres Umfeld, in dem die Menschen leben können.

Zu diesen Themen haben sich DIE VIOLETTEN schon in den vielen Jahren ihrer Arbeit immer wieder formuliert und ihre Ziele und Vorstellungen einer besseren Welt beschrieben. Wir werden die Shell-Studie als zukunftsweisenden Weg weiter berücksichtigen, um auch den Jugendlichen ein Sprachrohr zu sein.

*Albert, Hurrelmann, Quenzel, Kantar, (2019) 18. Shell Jugendstudie -Jugend 2019- Shell Deutschland Holding (Hrsg.)  Beltz Verlagsgruppe, Weinheim

Wenn Sie wollen, schreiben Sie mir von Ihren eigenen, gemachten Erfahrungen: dievioletten.bentele@aol.com oder michael.bentele@die-violetten.de

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Author: Bundesvorstand

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