Transformation löst Strafrecht ab

mit freundlicher Genehmigung der Malerin Elisabeth Jelonek

Das bisherige deutsche Strafrecht sieht vor, dass Menschen durch Vergeltung und Abschreckung von Straftaten Abstand nehmen. Zudem wird eine so genannte Resozialisierung durch den Strafvollzug angestrebt. Dieser Weg ist gescheitert, vermutlich weil der sicher gut gemeinte Ansatz durch ein tradiertes und überholtes Menschenbild bestimmt war.

Diese Sicht und die entsprechende Gesetzgebung bedarf dringend und zügig einer grundlegenden Reform, damit allen Menschen, Opfern und Täter*innen, wenn man in diesen Kategorien denken möchte, gerecht wird und das Phänomen Kriminalität zu einem Ausnahmeereignis wird.

Wenn wir tief in das menschliche Wesen schauen, sehen wir, dass der Mensch als Teil der gesamten Schöpfung ein mit allem verbundener Bestandteil ist, der im Grunde nur einem positiven Antrieb folgt. Lediglich Unkenntnis, Unbewusstheit und Unwissenheit in allen denkbaren, auch schlimmsten Ausprägungen lassen den einzelnen Menschen Dinge tun, die der Gesellschaft von manchmal größtem Schaden sind.

Hier greift der spirituelle Ansatz. Kriminelles Handeln kann und muss transformiert werden. Das ist zunächst ein aufwändiger, aber letztendlich lohnender Prozess. Für den einzelnen Menschen und für die gesamte Gesellschaft!

Letztendlich bin ich davon überzeugt, dass überhaupt nur deshalb Störungen unter Menschen vorkommen, um ihnen eine Chance zur Weiterentwicklung zu geben. Wir entscheiden, ob wir diese Chancen nutzen oder nicht. Ich möchte sie nutzen!!!

Nach der Überführung oder Selbstanzeige einer*eines Täter*in muss in einem betreuten Verfahren je nach Möglichkeit eine Zusammenführung von „Täter*in und Opfer“ in konstruktiver, versöhnender und heilender Form stattfinden. Das Ergebnis des moderierten Vorganges sollte in ein Ausgleichskonzept münden. Nachdem von der*dem Täter*in Ursache und Wirkung auf allen nachvollziehbaren Ebenen verstanden wurden, muss ein Ausgleich der entstandenen Disharmonie entwickelt werden. Gibt es eine Weigerung dazu, greift vorläufig das klassische Strafrecht.

Ein Beispiel dazu: Sollte eine Person eine Brieftasche rauben, sollte durch eine geführte, sensible Begegnung zwischen den beiden Parteien ein Kontakt entstehen, der im besten Fall darin mündet, dass Verständnis und Mitgefühl erzeugt wird und die*der Täter*in dem Opfer oder der Gesellschaft gegenüber eine Balance schafft. Das kann z.B. sein, dass die*der Räuber*in der*dem Bestohlenen hilft, das Trauma des Raubs zu überwinden und für die*dem Beraubte*n über einen längeren Zeitraum z.B. einkaufen geht. Der Gesellschaft gegenüber könnten z.B. in einen Altenheim oder in einer Schule Dienste getan werden, die der Gemeinschaft zuträglich sind.

Betonen möchte ich aber auch, dass das so genannte Opfer auch prüfen muss, ob es wirklichkeitsnah gehandelt hat und somit eine Mitverantwortung trägt. Dies ist mit sehr viel Vorsicht anzugehen, da in diesem Feld sehr schnell Missverständnisse entstehen. Es ist eher auf der karmischen Ebene zu sehen, das bedeutet danach zu fragen, was im bisherigen Leben des so genannten Opfers alles passiert ist. Dies ist eine Sichtweise, die vermutlich unserer Zeit voraus ist.

Diese neue Sicht auf Phänomene der Kriminalität gibt allen Beteiligten die Möglichkeit, an dem zunächst sehr schadhaft empfundenen Ereignis zu wachsen. Ein echtes Verständnis kann bei der*dem Täter*in entstehen, aber auch bei dem Opfer oder Opferkreis.

Was hier möglicherweise naiv klingt, hat in letzter Konsequenz eine revolutionäre Wirkkraft. Daher sollten zumindest auf der experimentellen Ebene erste Versuche gestartet werden.

Robert Hermsen
Bundesvorsitzender DIE VIOLETTEN

 

Hinweis zu Autorenbeiträgen:

Beiträge auf der Webseite der Violetten, die mit dem Namen des Autors/ der Autorin unterschrieben sind, können der Meinung/Position der Partei entsprechen, müssen dies jedoch nicht notwendigerweise und können deshalb abweichen.

Sie dienen der Beleuchtung einzelner Sachverhalte oder Entwicklungen aus unterschiedlichen Blickwinkeln und damit der Meinungsbildung.

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