Zinssystem

Unser Zinssystem birgt eine große »Gefahr« in sich, denn es schichtet die vorhandenen Gelder automatisch und zumeist unbemerkt von »unten nach oben« um. Dadurch kommt es in immer stärkerem Maße zu einer Konzentration beim Großkapital. Schätzungsweise

haben wir heute eine Kapitalverteilung, bei der 10% der Menschheit über 90% der vorhandenen Gelder verfügen.

»Das Vermögen in Deutschland ist sehr ungleichmäßig verteilt, wie aus allen bisherigen empirischen Untersuchungen bekannt ist.«

1. Armuts- und Reichtumsbericht 2001 der Bundesregierung

Der Automatismus, der dies immer weiter verschärft, liegt u.a. in den »versteckten« Zinsen, die wir alle zahlen.

Was sind »versteckte« Zinsen ?

Wenn sich z.B. jemand selbständig machen möchte, benötigt er dafür Kapital, um Maschinen, Miete, Personal usw. bezahlen zu können. In der Regel verfügt der Unternehmer aber nicht über die benötigte Gesamtsumme. Also leiht er sich bei einer Bank das fehlende Geld, für das er Kreditzinsen zahlen muß. Diese legt er dann auf seine Preise und somit die Kunden um. Selbst wenn ein Großunternehmen kein Geld leihen muß, weil es über genügend Eigenkapital verfügt, wird es die gesparten Zinsen als Faktor in die Preiskalkulation einfließen lassen.

Dieser verdeckte und vom Kunden unbemerkte Zinsanteil summiert sich mit der Zeit immer weiter auf, denn auch der Unternehmer zahlt schon »versteckte« Zinsen an seine Lieferanten, den Vermieter, Versicherungsgesellschaften oder auch über Abgaben an den Staat. So zahlen wir inzwischen im Durchschnitt 30 – 50 % Zinsen in allen Waren und Dienstleistungen mit. Als Spitzenreiter gelten dabei die Mietkosten: hier liegt der Zinsanteile bei rund 77%.

Dies bedeutet für weite Teile der Bevölkerung, daß sie von Zinsenzahlungen nicht profitieren. Denn sie zahlen weit mehr an »versteckte« Zinsen, als sie z.B. an Kapitalzinsen von ihrer Bank bekommen: Margrit Kennedy führt an, daß nur ca. 10% der Bevölkerung mehr Zinsen »verdienen«, als sie ausgeben. Nach M. Kennedy wurden schon 1990 die reichsten 0,1% der Bevölkerung nur durch Zinseinnahmen täglich um 32 Millionen DM (16,36 Mio. €) reicher. Dieses Geld wird nicht »extra gedruckt«, sondern von der Bevölkerung erarbeitet.

Die »Schwelle«, ab der SIE zu den »glücklichen« 10% gehören, soll bei rund 17.000,- € ZINSEN im Jahr liegen. Verständlich, das dies nur wenigen gelingt.

Automatische Verarmung

Diese Zinserträge sind unproduktiv, da sie keine Werte schaffen. Außerdem verläuft die Umschichtung der Gelder exponential und muß daher auf Dauer kollabieren (Welt-Wirtschaftskrise). Das veranschaulicht der »Josephs-pfennig« sehr deutlich: Wenn Joseph zu »Christi Geburt« einen Pfennig angelegt hätte, wäre dieser bei einer Verzinsung von 5% im Jahre 2000 mit Zinseszinsen auf den Gegenwert von 216 Mrd. Erdkugeln aus purem Gold angewachsen.

In den »3. Welt«-Ländern ist diese »Zins-Verarmung« schon zur Farce geworden:
»… Wir erhalten jeden Tag 200 Millionen Dollar an Zinszahlungen aus den Ländern der Dritten Welt; diese Menge ist doppelt so groß wie die »Entwicklungshilfe«, die wir ihnen gewähren, wovon ein Drittel lediglich zur Deckung der Zinsen früherer Kredite gewährt wird. Das, was Wohlfahrtsorganisationen jedes Jahr mit viel Aufwand bei uns zusammenbetteln, reicht der Dritten Welt gerade, um den Zinsverpflichtungen für dreieinhalb Tage nachzukommen.
1989 betrug die offizielle Gesamtschuldenlast Brasiliens 115 Milliarden Dollar. Diese Summe wird von den Zinszahlungen und Amortisationen der letzten 16 Jahre in Höhe von 176 Milliarden Dollar bei weitem übertroffen. D.h., die Schulden sind bereits bezahlt. …«

Lösungen …

Eine sofortige »Patentlösung« für diese Problematik gibt es sicherlich nicht. Doch jeder hat die Möglichkeit zur Schaffung anderer Zustände beizutragen:

• informieren Sie sich (und andere) über diese Thematik (bleiben Sie konstruktiv, Neid und Mißguinst schaden Ihnen nur selbst),
• prüfen Sie, wo Sie Ihr Geld anlegen (reguläre Banken verschärfen die Problematik, Alternative: GLS-Bank)
• Beschäftigen Sie sich mit Alternativen (Komplementärwährungen, Umlaufsicherung)

Der Zustand des »Außen« spiegelt immer den Zustand des »Innen«! Das »Innen« (unser eigenes Fühlen & Denken) können wir am schnellsten ändern … Leben Sie in der Bewußtseinswelt des MAngels, oder der Fülle

Quellen, Literatur & weitere Informationen
Geldreform (W. Röhrig) – sehr großes Archiv zu „Geld & Zins“
Gib mir die Welt plus 5 Prozent – Videoclip zum Geld-/Zinssystem
INWO – Initiative für natürliche Wirtschaftsordnung
Wem gehört die Welt ? – Projektgruppe der Rosa-Luxemburg-Stiftung
Staatsverschuldung – Dr. Klaus Först
Margrit Kennedy – »Geld ohne Zinsen und Inflation«
sw-Graphiken: © M. Kennedy, Quelle: Geldreform (W. Röhrig)

Dazu einige Zahlen:

• Deutschland: das geschätzte Privat-Vermögen der 100 reichsten deutschen Familien betrug im Januar 2001 rund 470 Mrd. DM (ca. 240 Mrd. €). Das entspricht 5% des gesamten deutschen Privat-Vermögens, wobei gebundenes Firmenkapital noch nicht berücksichtigt ist! (Quelle: »Manager-Magazin.de«).
• Deutschland: 5% der Bevölkerung sind in Besitz von ca. 30% des Haus- und Grundbesitzes (Quelle: Der Spiegel 42/’99, mit Bezug auf des Stat. BA)
• Schweiz: die oberen 3% der Bevölkerung besitzen 50% und die unteren 70% besitzen 7% des Gesamtvermögens (Quelle: Kaderschule Zürich, 1997)

Quelle: M. Kennedy – »Geld ohne Zinsen und Inflation«, Kapitel 1: Missverständnis Nr. 2: Zinsen zahlen wir nur dann, wenn wir uns Geld leihen:

»… Einige Beispiele aus dem öffentlichen Bereich, also von Preisen, die wir alle bezahlen … . Der Anteil der Zins- (= Kapital)kosten in den Müllabfuhrgebühren beträgt ungefähr 12% [Bsp. Stadt Aachen, 1983]. Hier ist der Zinsanteil relativ niedrig, da die Lohnkosten preisbeherrschend sind. Dies ändert sich beim Trinkwasser- [norddt. Versorgungsw., 1981] und Abwasserpreis [Stadt Aachen, 1983], bei dem die Anteile der Zinskosten bereits 38% bzw. 47% betragen. In der Kostenmiete im sozialen Wohnungsbau [Stat. BA 1979] beträgt der Anteil sogar 77%. Das heißt, wir zahlen unser Haus über 20-30 Jahre nicht einmal sondern viermal ab. … «

Stand: 1994, aus: M. Kennedy – »Geld ohne Zinsen und Inflation«, Kapitel 1: Missverständnis Nr. 3: Das gegenwärtige Geldsystem dient allen gleichermaßen

Quelle war das Wirtschaftsmagazin Forbes im Juli 1990

Quelle: Heinrich Haußmann – »Der Josephspfennig«, Human Wirtschaft, Jan/Feb 2004, S. 35

Quelle: M. Kennedy – »Geld ohne Zinsen und Inflation«, Kapitel 3: Die Armen

 

 

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Kommentare (1)

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  1. Danke für diesen Beitrag.
    Hier eine ähnliche Sichtweise mit genaueren Erläuterungen zu der spirituellen inneren Dimension auf meinem Blog auf Connection.de
    Titel: „innerer und äußerer Wohlstand – eine spirituelle Perspektive auf Geld- und Wirtschaftssystem“