Das Zocken auf den Finanzmärkten verstehen

Autorenbeitrag von Marion Schmitz

„Die Entfesselung der Geldwirtschaft“ 1) leitete der US Präsident Nixon Anfang der 70-er Jahre des vorigen Jahrhunderts ein. Er warf die Gelddruckmaschine an und überflutete die Wirtschaft mit unzähligen Dollars. Diese brauchte er für den Vietnamkrieg und für die steigenden Ölpreise der OPEC-Länder.

„Margaret Thatcher entfesselte die Banken in London, Bill Clinton die der Wall Street und Gerhard Schröder (SPD) setzte auf die Liberalisierung. Heute steht der Begriff „Liberalisierung“ allgemein für Deregulierung und Privatisierung.2)

Seit der Liberalisierung ist es für Reiche, Unternehmen und Banken leicht, aus Geld Geld zu machen. Unternehmen wie der Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts (KKR) erzielte durch die Finanzierung und den Verkauf des ehemaligen Familienunternehmens WMF an den französischen Konzern SEB eine Rendite von ca. 800 %. Diese wurde an die Aktionäre ausgezahlt. Die Löhne und Arbeitsbedingungen der Arbeitnehmer blieben dabei auf der Strecke.

Banken schöpfen durch die Vergabe von Krediten Luft-, Buch-, Giral- bzw. Digitalgeld. Das bedeutet, dass sie bei der Vergabe von einem Kredit von 10.000 € lediglich 100 € eigenes reales Geld als Sicherheit haben müssen, das ist ca. 1 %. Auf Knopfdruck machen sie 99 % Digitalgeld, und Zinsen kassieren sie auch noch. Diese müssen in der Realwirtschaft erwirtschaftet werden.

Dass Geld dem Menschen und der Realwirtschaft dient, ist schon längst abgeschafft. Einerseits wird immer mehr virtuelles Geld in Spekulationsgeschäfte eingesetzt und satte Gewinne erzielt. Andererseits bekommen innovative Start-Ups und mittelständische Unternehmen so gut wie keine Kredite, und die Geldanlagen der „Normalbürger“ verlieren an Wert, da so gut wie keine Zinsen auf Sparguthaben gezahlt werden. Häuser in den Städten werden zu Spekulationsobjekten und gehören zum Teil Briefkastenfirmen. Die arbeitende Bevölkerung kann dort nicht leben wegen überteuerter Mieten oder Leerstand.

705 Billionen Euro betragen die spekulativen Finanzwetten auf die Zukunft.1) Die Investoren, wie z. B. Die Deutsche Bank, machten auch nicht halt vor Zockereien auf dem Nahrungsmittelmarkt. Die trieben die Nahrungsmittelpreise in den Dritte-Welt-Ländern in die Höhe und sorgten für noch mehr Unterernährung und Hungersnöte.

In der Schweiz tat sich etwas: Am 10.06.2018 stimmten die Schweizer über ein neues Vollgeldsystem ab. Den Banken sollte das Privileg der Geldschöpfung entzogen werden. Der Staat wollte die Geldschöpfung von Vollgeld übernehmen, das er zum Wohle der Menschen in Umlauf bringt und das als offizielles Zahlungsmittel gilt. Da die Behörden und die Banklobby nicht wahrheitsgemäß aufklärten, entstand bei vielen Abstimmungsberechtigten ein „Zerrbild“, so dass ca. 75 % der Wähler den Vorschlag ablehnten.3)

DIE VIOLETTEN stehen für die Einführung einer „Monetative“ als vierte Säule der Gesetzgebung. Die Geldschöpfung würde dann zu 100 % dem Staat unterliegen zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger und der Realwirtschaft dienen. Auch brauchen wir wieder die Einführung der Börsenumsatzsteuer/Finanztransaktionssteuer. Die Gewinne aus der Realwirtschaft und  Einkommen aus nicht selbständiger Arbeit müssen wieder attraktiv werden.

  1. SWR Fernsehen vom 24.07.2018 21:00 Uhr Dokumentation „Die große Geldflut. Wie Reiche immer reicher werden.“
  2. https://de.wikipedia.org/wiki/Liberalisierung
  3. https://www.vollgeld-initiative.ch/
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