Überwindung der Grenzen

Die Grenzen unserer Welt beginnen im Denken. Wo wir aus Gewohnheit zwischen links und rechts, oben und unten, arm und reich unterscheiden, verschließen wir uns die Möglichkeit, gemeinsam eine neue Gesellschaft einzurichten.

Die bisherigen Lösungsansätze funktionieren nicht mehr. Die Schere zwischen reich und arm geht auch in Deutschland auseinander. Zwar gibt es mehr Jobs, doch sind die Lebenshaltungskosten in den letzten Jahren (nicht in allen Bereichen) gestiegen. Vor allem die Mieten in den Ballungsgebieten sind für viele Menschen der Mittel-schicht nicht mehr bezahlbar. Die Mietpreisbremse funktioniert nicht, so wie auch andere Hebel der Politik und der Wirtschaft nicht mehr wirksam sind (Beispiel Zweiklassenmedizin).

Auch deswegen sind viele Menschen wütend. Sie fühlen sich aus ihrem eigenen Land ausgeschlossen. Das Erstarken rechtspopulistischer Parteien in Europa und auch der Brexit sind unter diesem Gesichtspunkt erklärbar.

Doch macht es Sinn, in rechts und links zu denken? Bringt das Weitermachen wie bisher die Lösungen für die Zukunft?

Wir Violetten sagen Nein. Bei uns gibt es Menschen aller Couleur und Herkunft. Wir suchen nach neuen Ansätzen jenseits der Denkbarrieren. Gemeinsam entwickeln wir liberale Ideen weiter, die aus den Bürgerbewegungen des letzten Jahrzehnts entstanden.  Eine Gemeinwohlökonomie, die von den Bedürfnissen der Menschen ausgeht und nicht von denen der Produzenten. Ein Gesundheits- und Bildungs-system, das regionale Vielfalt und Selbstbestimmung zulässt. Ein anderes Wohnen in Generationswohnhäusern und Genossenschaften, wo man gemeinsam Sorge füreinander trägt.

Die Kleinfamilie kann längst nicht mehr die Aufgaben erfüllen, die in der Großfamilie noch vor wenigen Jahrzehnten ganz selbstverständlich waren. Viele Eltern arbeiten in Vollzeit, und die Großeltern wohnen weit weg. Neue Formen des Zusammen-lebens entstehen in selbstorganisierten Zirkeln. Tauschringe, freie Krankenge-nossenschaften, Transition Town, Regiogeldinitiativen usw.  Dieses wollen wir als Violette fördern und als Modell einer neuen, mehr selbstbestimmten Gesellschaft nehmen.

In solchen Kreisen ist Hilfe zur Selbsthilfe schnell und unbürokratisch möglich. Es gibt keine Denkschranken zwischen rechts und links und oben und unten. Jeder ist ein Teil einer Gemeinschaft, in dem seine Kinder aufwachsen und in der er seine soziale Absicherung findet. Freie Schulen sollten mehr gefördert werden und Zusammenschlüsse für kreativen Nachmittagsunterricht. Jede Region sollte ein selbstverwaltetes Krankenhaus betreiben, in dem alternative Behandlungsmethoden gleichwertig und präventativ zur Schulmedizin angeboten werden.

Die wesentlichen Bereiche der Politik gehören zurück in Bürgerhand. Gesundheit, Energieerzeugung und Verfügung über Grund und Boden sind Bürgersache. Die Intransparenz, die durch europäische Gesetzgebung verursacht wurde, bremst die Selbstgestaltungskraft aus. Durch TTIP verlieren die Nationen den Rest der Autonomie, die sie noch besaßen. Die etablierten Parteien sind in die Handlungen der Wirtschaft zu sehr verstrickt, als dass sie sich dagegen wehren könnten. Es braucht eine neue, starke Bewegung von unten. Und wir sagen auch, ein neues spirituelles Bewusstsein.

Der Mensch steht am Scheidepunkt seines Weges. Bald werden Maschinen ihn in allen Bereichen der Gesellschaft ersetzen können. Es ist Zeit, mit ideologischen Kämpfen aufzuhören und zu beginnen, sich eine Menschheit vorzustellen, die auf friedliche Weise mit sich und der Natur umgeht. Dieser Gedanke fängt im Kleinen in unserer näheren Umgebung an. Wenn wir uns dort als Einheit in allen wesentlichen Fragen selbstbestimmt bewegen können, dann leben wir nicht im Mangel, sondern  in der Fülle. Wir sind nicht länger abhängig von Almosen des Staates oder von Arbeitgebern. Wir zahlen uns selbst ein bedingungsloses Grundeinkommen aus, das jedem Menschen ein würdevolles Dasein garantiert. Dies könnte z. B. in Form regionaler Währung ausgezahlt werden, um dieses Kapital der Spekulation zu entziehen. Und bald werden dies auch andere Regionen auf der Erde tun.

Dann wird es auch möglich, Frauenberufe besser zu bezahlen und Menschen mit ‚Defiziten’ besser wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Beziehungen können auf Dauer nur gleichberechtigt funktionieren. Das Weibliche in die Politik zu integrieren sehen wir als eine unserer Hauptaufgaben an. Dazu braucht es eine andere Kommunikationskultur, nicht frontal, sondern im Kreis, in dem jeder sprechen kann. Das Internet macht basisdemokratische Beteiligung zeitnah leicht möglich. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass jedem Menschen vom Grundgesetz garantiert ein gleichwertiger Zugang möglich ist.

Basisdemokratie bedeutet eine hohe Verantwortung für jeden Menschen. Das Bewusstsein und die Bereitschaft dafür wächst in dem Maße, wie die bisherige Politik nicht mehr funktioniert. Gegen Frust und gegenseitiges Angreifen hilft, etwas zu tun.

Andreas Bleeck

Hinweis zu Autorenbeiträgen

Beiträge auf der Website der Violetten, die mit dem Namen des Autors / der Autorin unterschrieben sind, können der Meinung / Position der Partei entsprechen, müssen dies jedoch nicht notwendigerweise und können deshalb abweichen.

Sie dienen der Beleuchtung einzelner Sachverhalte oder Entwicklungen aus unterschiedlichen Blickwinkeln und damit der Meinungsbildung.

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